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Erben und Heiraten für Anfänger
Ein "kleiner" Leitfaden über grundlegende Erbrechtssysteme
#1
Erbrecht für Anfänger

Prolog
Nirgendwo in der Gesellschaft ist die Frage um die Erbschaft derart reglementiert wie dies in den Reihen des Adels der Fall ist und aus diesem Grund haben sich im Laufe der Jahrhunderte so genannte Erbschaftsgesetze entwickelt, welche in der Welt des Divided Kingdoms nahezu ausnahmslos ihre Anwendung finden.

Man unterscheidet zwischen Primären Erbschaftsrecht und Sekundärem Erbschaftsrecht, wobei ersteres regelt, wer erbberechtigt ist und zweiteres, auf welche Art und Weise das Erbe des verschiedenen Herrschers aufgeteilt wird.

Ein Erbschaftsgesetz setzt sich immer aus einem primären Attribut und einem sekundären Gesetz zusammen. Dabei sollte natürlich beachtet werden, dass in den meisten Erbschaftsgesetzen der Anspruch auf ein Erbe nicht verfliegt, es sei denn die Regelung ermöglicht es oder ein Erbe scheidet durch Heirat aus.
Darüber hinaus spielt auch die Art, wie Kinder verheiratet werden eine große Rolle über ihre Rolle innerhalb einer Erbschaftsregelung.

In dieser Übersicht findet ihr real existente, bzw. historische Erbschaftsregelungen. Es darf deshalb nicht verwundern, dass Männern meistens der Vorrang gegeben wird - Gleichberechtigung spielt in der Geschichte doch eher eine Ausnahmerolle.

Primäre Erbschaft
vollkommen agnatisch – lediglich männliche Nachkommen werden berücksichtigt. Sollte eine Tochter einen männlichen Nachkommen zeugen, ist dieser in der Regel nicht erbberechtigt. In einem solchen Erbschaftsfall, dass ein Monarch lediglich Töchter hat und diese Söhne zur Welt gebracht haben, werden diese bei der Erbschaft nicht berücksichtigt und die Krone geht an den nächsten männlichen Anverwandten.
Diese Regelung nennt man auch Salisches Recht.

agnatisch-kognatisch – legt fest, dass männliche und weibliche Erben in der Regel gleichberechtigt sind. Jedoch wird hierbei männlichen Erben nach wie vor der Vorzug gegeben. Sollte ein Monarch lediglich Töchter besitzen, so erbt die Älteste die Krone, solange keine ihrer Schwestern einen Sohn gebiert. In diesem Falle erbt besagter Sohn.

vollkommen kognatisch – Hier sind ausnahmslos alle Kinder beiderlei Geschlechts gleichberechtigt.

Sekundäre Erbschaft
Primogenitur ist die am weitesten verbreitete Erbschaftsregelung. Diese sieht vor, dass das älteste erbberechtigte Kind eines Herrschers alle dem Herrscher gehörenden Titel erbt. Logischerweise gehen seine Geschwister dabei leer aus.

Ultimogenitur – Wie die Primogenitur ist die Ultimogenitur ein „absolutes“ Erbgesetz, das keine Aufteilung des Erbes vorsieht. In diesem Falle erbt aber das jüngste Kind des Herrschers.

Erbteilung – Die Erbteilung ist besonders in Ländern beliebt, in denen der Monarch mehr als einen Titel auf sich vereint. Das älteste Kind erbt hierbei den Primärtitel (im Falle eines Königreichs logischerweise dieses), während die weiteren Titel unter den anderen Kindern aufgeteilt werden.
In diesem Erbgesetz ist es dem Monarchen verboten, Herzogs- und Grafentitel zu zerschlagen, da dies das Erbe seiner Kinder benachteiligen könnte.
Beispielsweise in Frankreich würde das älteste (erbberechtigte) Kind die Krone Frankreichs erben, das zweite erbberechtigte Kind das Herzogtum von Anjou und die Grafschaft von Alençon geht an das nächste Kind der Erbfolge.
Sollte eines der Kinder vorzeitig sterben, überträgt sich sein Anspruch auf sein Kind.

Wahlweise Erbteilung – Die Titel des verstorbenen Herrschers werden unter den Erben und dem Haupterben aufgeteilt, wobei letzterer von den Herzögen des Landes innerhalb der Erben ausgewählt wird. Grundsätzlich erbt aber das erstgeborene Kind, sollte es zu keiner Wahl kommen. Auch hier gilt das Verbot der Titelvernichtung. In König- und Kaiserreichen ist die Schaffung von Königstitel für jüngere Kinder möglich, wobei der Haupterbe dazu angehalten ist, seinen Miterben die Unabhängigkeit zu gewähren, sollten diese das wünschen.

Senioratsprinzip – Das Senioratsprinzip beschreibt ein Gesetz, welches das älteste Mitglied einer Dynastie zum Haupterben erklärt. Diese Regelung erstreckt sich allerdings lediglich auf die „Hauptlinie“ des jeweiligen Reiches. Sollte beispielsweise Pawel Bathóry von Polen-Litauen sterben, so sind lediglich die Angehörigen der direkten polnischen Bathóry-Dynastie (Sachsen, Bayern und Polen-Litauen) in diese Regelung inbegriffen. Weitere Verwandtschaft wie die Romanows oder Molevics nicht.
Diese Regelung erzeugt durch ihre Komplexität nicht selten Erbschaftsstreitigkeiten und Erbschaftskriege.

Wahlmonarchie – Bekannt aus dem Heiligen Römischen Reich beschreibt die Wahlmonarchie die Regelung, wonach der Erbe des verstorbenen Monarchen gewählt wird. Hierzu stellen sich mehrere Kandidaten zur Wahl, wobei ausländische Adlige nur dann teilnehmen dürfen, sollten sie einen Anspruch besitzen.
Die Zusammensetzung des Gremiums der Wahl- oder Kurfürsten, welche letztendlich den Monarchen bestimmen, hängt vom jeweiligen Land ab, jedoch sind diese ausschließlich Adlige oder hochrangige Mitglieder der Landeskirche.

Heirat
Neben der Masse an verschiedenen Erbschaftsgesetzen kann auch entscheidend sein, wie ein Herrscherkind verheiratet worden ist. In der Regel halten es die herrschenden Häuser so, dass Kinder, welche den Nachnamen ihrer Familie durch Heirat verloren haben, aus der Erbfolge ausscheiden und in der Folge nicht mehr erbberechtigt sind.

Patrilinearität – die geläufigste Form der Heirat. Die Patrilinearität beschreibt, dass das Brautpaar den Familiennamen des Bräutigams annimmt und die aus der Ehe hervorgehenden Kinder tragen den Namen des männlichen Ehepartners. Töchter, die auf diese Weise verheiratet werden, verlieren jeglichen Erbschaftsanspruch, ebenso ihre Kinder.

Matrilinearität – Das Gegenteil zur Patrilinearität. Die Matrilinearität beschreibt den Vorgang, dass das Brautpaar den Familiennamen der Braut annimmt und die aus dieser Verbindung hervorgehenden Kinder den Nachnamen der Mutter tragen werden. Diese Form der Hochzeit wird bevorzugt gewählt, wenn der Monarch eine Tochter als Erben hat und die Krone in der Familie halten will. Folglich wird eine matrilineare Hochzeit angestrebt, um eine Einmischung fremder Mächte zu verhindern.

Uneheliche Kinder
Man sollte sich keine Illusionen darüber machen, dass uneheliche Kinder irgendeine Chance auf etwaige Ansprüche hätten – im besten Fall kann die Mutter noch darauf hoffen, vom Vater des Kindes eine Abfindung oder dauerhafte finanzielle Zuwendung zu erhalten; dies ist aber eher die Ausnahme denn die Regel.

Dennoch spielen Bastarde in der royalen Welt eine gewisse Rolle – insbesondere, wenn es die Kinder einer Mätresse sind -, weswegen man kurz ein paar Worte zu ihnen verlieren sollte.

Im Grunde gibt es drei „Arten“ von Bastarden, welche je nach Grad ihrer „Legitimation“ eine Rolle in royalen Familien spielen können.
  • Als erstes wäre hierbei wohl einfach nur das uneheliche Kind zu nennen. Die Mutter kann zwar behaupten, dass es von einem bestimmten Adligen ist, aber weit dürfte sie damit nicht kommen – im besten Falle überleben Mutter und Kind die „offensichtlichen Lügen dieser Verrückten“.

  • An zweiter Stelle steht der anerkannte Bastard. Der Vater erkennt sein Kind als das seine an, jedoch ist dieses Kind weiterhin von der Erbfolge des Königreiches ausgeschlossen. Es kann passieren, dass ein solches Kind später einmal von seinem Erzeuger in Hofämter oder gute Positionen gehoben wird, allerdings wird ein anerkannter Bastard niemals mehr erwarten können.

  • Der legitimierte Bastard ist im Grunde gleichwertig zu einem ehelich gezeugten Kind. Der Vater hat das Kind anerkannt und in seine Familie aufgenommen. Fortan trägt der Bastard den Familiennamen seines Vaters und hat einen festen Platz zwischen seinen royalen Geschwistern in der Thronfolge. Natürlich sorgt dies für Unmut unter den Königskindern, allerdings kann so ein legitimiertes uneheliches Kind einiges an politischem Gewicht bedeuten.

    Eine weltweit anerkannte Legitimation kann jedoch nur der Monarch des jeweiligen Landes vornehmen.

    Wie mit der – vermutlich bürgerlichen - Mutter verfahren wird, obliegt selbstredend dem Herrscher.

    Ausgenommen von der Regelung der unehelichen Kinder sind natürlich jene Kinder, die einer Verbindung mit einer Konkubine oder Zweitfrau entstammen. Wie dies geregelt ist obliegt allerdings der jeweiligen Nation.

Wenn eine Adlige ein uneheliches Kind empfängt, so kann man im Grunde vom gesellschaftlichen und sozialen „Mord“ dieser Dame ausgehen. Allerdings kann es in sehr seltenen Fällen vorkommen, dass ihr Mann, Vater oder der Monarch ihres Landes einen Akt der Gnade durchführt und das Kind als das legitime Kind der Adligen anerkennt. Demnach wäre ein solches Kind denselben Regeln untergeordnet wie ein legitimierter Bastard.

Danke an Tony (Marcus Bathóry)
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